Station für den Bürgerdialog in Darmstadt

Einleitung

Anfang November war der Bürgerdialog in der Darmstädter Centralstation zu Gast. Dr. Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, sprach mit Bürgerinnen und Bürgern darüber, wie Deutschlands Energieversorgung auf Erneuerbare Energien umgestellt wird.

Bürgerdialog in der Darmstädter Centralstation mit Dr. Philipp Nimmermann

© Christina Czybik | BMWK / bundesfoto

Wie wird Deutschland bis 2045 klimaneutral? Welche Stellschrauben sorgen dafür, dass der Energiewechsel gelingt – weg von Erdöl und Gas, hin zu Sonne und Windkraft? Diese Fragen standen beim Bürgerdialog in Darmstadt im Fokus. „Die wichtigste Stellschraube ist die Energieversorgung – gefolgt von Industrie und Verkehr. Bis 2030 sollen 80 Prozent des Strombedarfs aus Erneuerbaren kommen, 2045 dann fast 100 Prozent“, sagte Dr. Nimmermann.

Um auf sichere, saubere und bezahlbare Energie umzustellen, beschleunigt die Bundesregierung unter anderem den Bau von Windkraftanlagen und Photovoltaikfeldern, fördert den Netzausbau und treibt Wasserstoffprojekte voran. „Bereits heute stammen mehr als 50 Prozent unseres Stroms aus Erneuerbaren. Damit wir die Quote erhöhen können, brauchen wir Pumpspeicher- und Wasserstoff-Kraftwerke für Zeiten, in denen Wind und Sonne nicht ausreichen, um den Strombedarf zu decken“, so Dr. Nimmermann. „Deshalb haben wir beispielsweise beschlossen, das Ausbauziel für Elektrolyseleistungen bis 2030 von fünf auf zehn Gigawatt zu verdoppeln.“

Ein Kernnetz als „Wasserstoffautobahn“

Die Bürgerinnen und Bürger wollten wissen: „Wie werden unsere Netze auf Wasserstoff als Energieträger umgestellt? Was passiert mit dem bestehenden Erdgasnetz?“ Derzeit werde ein Wasserstoffkernnetz für ganz Deutschland modelliert, erklärte der Staatssekretär. „Es soll Speicher, Kraftwerke und Industriezentren anbinden und mehr als 10.000 Kilometer Leitungen umfassen. Das ist in dieser Größenordnung weltweit einzigartig.“ Voraussichtlich wird dieses Kernnetz zu etwa 60 Prozent aus umgestellten Erdgas-Leitungen und zu 40 Prozent aus Neubauleitungen bestehen. Im zweiten Schritt solle es eine umfassende Planung des Wasserstoffnetzes geben. Dr. Nimmermann: „Im Rahmen des ‚integrierten Netzentwicklungsplans‘ wird genau festgelegt, welche Teile des Netzes für Wasserstoff umgewidmet werden können.“

Dr. Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz

„Wir wollen dafür sorgen, dass Energie sicher, sauber und bezahlbar ist. Durch die Energiewende werden wir 2045 nur noch 25 bis 30 Prozent unserer Primärenergie importieren. Zum Vergleich: 2022 waren es 69 Prozent.“

Dr. Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz

Engagement für die Energiewende

Engagement für die Energiewende

Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war, wie sich Bürgerinnen und Bürger selbst für die Energiewende engagieren können. „Der grüne Strom vom Dach eines Mehrfamilienhauses kann künftig direkt an die Mieterinnen und Mieter weitergegeben werden – ohne den Umweg über das allgemeine Stromnetz“, so Dr. Nimmermann. Mieterstrom wird zudem auf gewerblichen Gebäuden und Nebenanlagen wie Garagen gefördert, solange der Stromverbrauch ohne Netzdurchleitung erfolgt.

„Wie kann ich mich an größeren Projekten wie Windkraftanlagen oder Solarparks finanziell beteiligen?“, lautete eine weitere Frage aus dem Publikum. Dr. Nimmermann: „Bürgerenergiegesellschaften erhalten bis zu 200.000 Euro Förderung für die Entwicklung eines Windparks.“ Wer gemeinsam vor Ort Strom erzeugt, bekommt zudem eine Vergütung ohne an offiziellen Ausschreibungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes teilnehmen zu müssen – vorausgesetzt, die installierte Leistung der Windkraftanlagen beträgt bis einschließlich 18 Megawatt, bei Photovoltaik liegt die Grenze bei einschließlich sechs Megawatt.

Impressionen

Dr. Philipp Nimmermann bei der Besichtigung der EnEff:Stadt Campus Lichtwiese in Darmstadt
Vor Ort

Zu Besuch auf dem EnEff:Stadt Campus Lichtwiese

Im Rahmen des Bürgerdialogs besichtigte Dr. Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, die EnEff:Stadt Campus Lichtwiese in Darmstadt. In dem Projekt erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie die Energiewende auf Quartiersebene gestaltet werden kann. Beispielsweise erstellen sie ein virtuelles Gesamtmodell des Campus Energiesystems. Es soll die Möglichkeit bieten, die effiziente Energieversorgung der Universität mit Strom, Wärme und Kälte in Echtzeit zu optimieren.

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